| Uncharted 3: Drake's Deception |
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| Tausche Waffe gegen Faust |
| Indiana Jones, Lara Croft, Ezio und co. |
| I'm on your side forever |
| Unterwegs im Orient |
| Qualität auf hohem Niveau |
| Achievements und Schätze |
| Fazit |
Es kommt nicht von ungefähr, dass wir Uncharted 3 mit Tomb Raider, Assassins Creed oder Batman vergleichen, bei allen drei Titeln werkelt im Hintergrund eine ausgefeilte Technik, neben gut inszenierten und spannend erzählten Storylines wechseln sich schwindelerregende Kletterpassagen, Adrenalin geladene Aktionsequenzen und knifflige Rätsel ab. Vorweg gesagt Uncharted 3 Drake´s Deception erfindet sich nicht neu, begeht aber auch keine Fehler. Bei einem möglichen Nachfolger könnte allenfalls eine komplett neu entwickelte Grafikengine die vorherigen Teile noch übertreffen. Dazu sollte allerdings noch erwähnt werden, dass die pompöse Grafik und die gesamte Technik ein Steckenpferd von Uncharted sind. Selten waren wir bei einem Spiel so begeistert und konnten uns kaum satt sehen.
Auf der Suche nach der verlorenen Stadt Iram, des Atlantis der Wüste, begibt sich der Archäologe und Schatzsucher Nathan Drake, Nachfahre des berühmten britischen Freibeuters und Weltumsegler Sir Francis Drake zusammen mit seinem grauhaarigen Mentor Viktor “Sully“ Sullivan an die entlegensten Winkel auf dem Globus.
Zu Beginn der Handlung treffen sich “Nate“ und “Sully“ mit dem zwielichtigen Talbot um einen Handel abzuschließen. Ein Jahrhunderte alter Ring von Nathans Vorfahren Sir Francis Drake soll gegen einen Koffer voller Geld getauscht werden, nachdem Talbot sie jedoch betrügt bekommt Katherine Marlowe, eine alte Bekannte von Sullivan eine Fälschung des Ringes in die Hände. Allerdings ist die Britin im Besitz einer Scheibe mit deren Hilfe sich in Kombination mit dem Ring Hinweise zu der verschollenen Stadt Iram entschlüsseln lassen. Zusammen mit Chloe Frazer und Charlie Cutter, zwei alten Freunden von Nathan, suchen die Schatzjäger nach Hinweisen und Spuren auf den Verbleib der antiken Stadt.
Vorbildliche Architektur
Lobenswert zu erwähnen sei die Levelarchitektur, schon Uncharted 2: Among Thieves bewies, dass Leveldesign nicht immer stupide und starr sein muss, die Umgebung wird in das Spielgeschehen integriert und ermöglicht so einen dynamischeren und realistischeren Levelaufbau. Wir erinnern uns an den Vorgänger zurück, unser Protagonist befindet sich in einem Zug, einige Waggons hängen zur Hälfte eine verschneite Klippe hinunter, wir müssen uns senkrecht an Bänken, Fenstern und Stangen den Zug hinaufkämpfen, ständig hindern uns herabfallende Gepäckstücke oder Explosionen an dem Aufstieg, während Nathan sich andauernd beschwert und fragt, weshalb immer ihm so etwas passieren muss. In Uncharted 3 gibt es solche Momente nun noch deutlich öfters, die Levelarchitektur ist weniger statisch und motiviert ungemein zum Weiterspielen.
Verwirrend und konfuss wird es im aktuellen Teil, wenn wir auf einem Ozeandampfer unterwegs sind. Das Schiff befindet sich auf einem komplett simulierten stürmigen Gewässer, der raue Seegang spielt mit sämtlichen beweglichen Gegenständen an Bord, selbst Nathan kann sich der stürmigen See nicht entziehen und torkelt fast wie ein Betrunkener über das Deck. Wer nicht seetauglich ist, sollte dieses Kapitel vielleicht einen Kollegen spielen lassen. Damit aber noch nicht genug, später im Spiel kippt das gesamte Schiff auf die Seite und wir müssen uns mit deutlichen Orientierungsproblemen ins freie kämpfen.
Im weiteren Spielverlauf stürzen wir mit einem Flugzeug in der Rub al-Khali-Wüste ab und müssen um unser überleben kämpfen, wer jetzt behaupten mag, dass eine riesige Sandwüste relativ öde und einseitig darzustellen sei, wird schnell eines Besseren belehrt. Sichtlich durch die Strapazen des Absturzes und die unbarmherzig heiß brennende Sonne gezeichnet, versucht Nathan sich anhand brennender Wrackteile zu orientieren und Nahrungsmittel zu finden. Man kann als Spieler die Hitze beinahe spüren und schaut mitfühlend seinem Charakter über die Schulter, während sich dieser durch eine scheinbar endlose Wüste schleift. Wer Lust hat kann jedes einzelne Sandkorn zählen und beobachten wie Schritte Fußabdrücke im Sand hinterlassen, Nathan Dünen mehr schlecht als recht herunterrutscht und verzweifelt in einem ausgetrockneten Brunnen nach Wasser sucht. Wer angesichts solch eines Levelabschnitts nicht ins Schwitzen gerät, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen.
Neben glassklarem Wasser und realistischen wie nachvollziehbaren Wettereffekten, weiß ein weiteres Element auf ganzer Linie zu überzeugen.
Tausche Waffe gegen Faust
Einen Großteil der Spielzeit verbringen wir in Uncharted 3 mit spannenden und abwechslungsreichen Schießereien. Per Druck auf Viereck, schmiegt sich Nathan butterweich an mögliche Deckungsmöglichkeiten, dabei duckt sich unser Held bei niedrigen Deckungen automatisch und lugt per linkem Stick seitlich oder über die Deckung hervor um Feinde ins Visier zu nehmen. Bei besonders hartnäckigen Gegnern können wir auch blind aus der Deckung heraus schießen, wenn die Waffe dann allerdings ziemlich streut. Bitter nötig haben wir dies bei schildtragenden oder besonders gepanzerten Gegnern, gerade wenn wir durch einen Volltreffer einer Schrottflinte aus nächster Nähe schon das zeitliche segnen. Zudem kann die Umgebung in Kampfsituationen genutzt werden, um beispielshalber Gasflaschen auf Gegner zu jagen und sie somit aus sicherer Entfernung auszuschalten.
Die besondere Dynamik in den Kämpfen entsteht aber erst durch die klasse und absolut flüssige Kombination schneller und knackiger Schusswechsel mit rasanten und spaßigen Prügeleien. So hechten wir ähnlich wie in dem Action-Adventure Batman: Arkham City von Gegner zu Gegner, springen über Deckungen und Kontern geschickt Schläge aus, nur um im richtigen Moment selber auszuteilen. So bekommen die Kämpfe ihre ganz eigene Dynamik, auch wenn sie etwas leicht und anspruchslos erscheinen, da die kurzen Reaktionsspiele durch mehrmaliges drücken der Kontertasten im richtigen Moment Nathan ausweichen lassen und ihn sofort in den Angriff übergehen lassen. Was in Kämpfen praktisch erscheint und schnelles reagieren ermöglicht, wirkt in puren Prügelszenen mit der Zeit etwas langweilig und zu simpel, dies wird jedoch durch eine gute Inszenierung wieder fast vollständig wettgemacht. Nathan kontert, benutzt Flaschen, Stühle und weitere Gegenstände um Gegner auszuknocken. Nett anzusehende Finishing-Moves runden die Scharmützel ab, so zündet Nathan gegnerische Granaten an deren Gürtel und tritt sie in sichere Entfernung oder springt ähnlich wie der dunkle Ritter von höher gelegenen Positionen auf Feinde um sie endgültig auszuschalten.
Neben offensiven Angriffen geht es in Uncharted 3 bei Belieben aber auch dezenter zu. Wie in den Vorgängern können wir unsere Widersacher durch bestimmte Aktionen, ohne weiter Aufsehen zu erregen, ins Land der Träume schicken. Wer besonders geschickt vorgeht, kann so ganze Areale säubern ohne dabei entdeckt zu werden. Schade nur, dass sich Leichen nicht verstecken lassen und ihre Kollegen so relativ schnell auf uns aufmerksam werden, dies wurde von Spielen wie Splinter Cell oder Batman deutlich besser gelöst.
Indiana Jones, Lara Croft, Ezio und co.
Auf dem Erkunden von Ruinen, Grabkammern oder Höhlen wird auch im aktuellen Teil der Serie wieder großen Wert gelegt, dass dabei die meisten Schauplätze allerdings nicht allzu zugänglich sind, liegt wohl auf der Hand. Kletterpassagen schimmern zwar nicht mehr so auffällig, wie noch in den Vorgängern, wirken dadurch aber noch realistischer und nicht einfach in die Umgebung hineingesetzt. Trotzdem hätten manche Sprünge und Passagen etwas schwerer sein können, das Spiel verzeiht einem ziemlich viel und auch über große Abgründe springen wir dabei ohne Probleme, obwohl wir die Entfernung manchmal falsch einschätzen. Nathan schwingt an Ketten, Seilen oder riesigen Kronleuchtern, klettert auf einem Schiffsfriedhof an rostigen Wracks entlang oder flüchtet über Häuserdächer in Syrien. Zwar wirkt die Kletterei nicht ganz so perfekt wie in Assasins Creed, Nathan bleibt manchmal an Ecken hängen oder taumelt etwas übertrieben und unkontrolliert, nachdem er sich von einer Wand abgestoßen hat oder von einem Vorsprung gesprungen ist, dass allerdings ist Kritik auf sehr hohem Niveau und schmälert keinesfalls den Spielspaß.
Nach atemlosen Schießereien und kraftraubenden Kletterpartien kommen die kniffligen Rätseleinlagen à la Tomb Raider gerade recht. Ob wir Steinplatten auf dem richtigen Weg folgen müssen wie in Indiana Jones oder mit Licht und Schatten herumexperimentieren können, die Knobeleien sind kniffliger und abwechslungsreicher geworden, auch wenn es davon noch zu wenige während des gesamten Spielverlaufs gibt, gerade im letzten Drittel hoffen wir vergebens auf die Chance eine weitere Kopfnuss zu lösen.
I'm on your side forever
Zumeist sind wir nicht alleine unterwegs, sondern werden von einem oder mehreren KI-Begleitern unterstützt. Die Kollegen helfen uns komplett selbstständig bei Rätseln, betätigen Schalter, geben Rückendeckung oder stürzen sich in den Nahkampf. Trotz vieler Script- sowie Zwischensequenzen fehlt uns bei unseren KI-Kumpanen aber die Interaktion, um sich mit ihnen zu unterhalten und Hintergrundinformationen zu erhalten. Aber auch ohne jegliche Interaktion wachsen einem die verschiedenen Begleiter sowie Nathan Drake ans Herz. Auflockernde oder lustige Sprüche, während wir versuchen einen alten Mechanismus wieder in Gang zu bringen, tragen einen Großteil zu der dichten Spielatmosphäre bei. Lediglich unsere Gegenspieler Talbot und die zu allem entschlossene Britin Katherine Marlowe bleiben während der gesamten Handlung etwas blass und wortkarg. Eine klasse Idee, den vorhandenen Charakteren mehr Tiefe zu verleihen, ist ein Ausflug in Nathans Vergangenheit, und das erste Aufeinandertreffen mit seinem späteren Mentor Sully, in dem auch unsere Gegenspieler erstmals eingeführt werden.
Unterwegs im Orient
Die Levelarchitektur haben wir bereits beleuchtet, interessant sind neben Levelbau die äußerst detaillierten und hübschen Spielabschnitte, als wir zum Beispiel im Jemen über einen arabischen Markt schlendern, bewundern wir die große Detailfülle. Stoffhändler verkaufen Tücher in leuchtenden Farben, Obsthändler bieten Früchte feil, Stände mit orientalischen Gewürzen bewerben ihre Ware, an jeder Ecke unterhalten sich Einheimische und Kinder rennen durch die engen Gassen. Überall gibt es etwas zu entdecken, wir erwischen uns dabei, wie wir mit großen Augen über den Markt gehen und an jedem Stand stehenbleiben um Details zu betrachten. Sämtliche Schauplätze wirken authentisch und bieten ein Wow-Moment nach dem anderen. Jedes Mal wenn wir ein gerade beendetes Kapitel in Gedanken Revue passieren lassen, schafft es der nachfolgende Abschnitt noch ein Mal Nachzulegen. Lediglich das vermeintliche Finale leidet an der hohen Qualität und kann dadurch mit dem ständigen Klimax nicht ganz mithalten. Dafür lässt sich Entwickler Naughty Dog die Möglichkeit die Serie fortzusetzen, verdient hätte sie es, ganz bestimmt.
Qualität auf hohem Niveau
Die Gegner KI lehrt uns zwar nicht das fürchten, weiß aber doch zu überzeugen. Mit gezielten Granaten werden wir des Öfteren aus unserer sicheren Deckung gesprengt und stehen im Kugelhagel. Als Neuerung können wir nun aber Granaten auch wieder zurück werfen, sofern wir im
passenden Moment den richtigen Knopf drücken. Bei mehreren hilft meist allerdings nur noch eine gut getimte Flucht. Unsere Gegner nehmen meist geschickt Deckung und versuchen und ständig in die Flanke zu fallen. Gerade wenn sich Gegner zu mehreren Seiten befinden, wird es meist ziemlich hecktisch, wenn dann noch schwergepanzerte Schergen mit MGs, sowie Scharfschützen und Raketenwerfer dazu treffen, müssen wir mächtig aufpassen und uns eine Taktik zurechtlegen. Der Schwierigkeitsgrad auf Normal ist gut ausbalanciert, erhält nur wenige Frustmomente und steigert sich während des Spiels angenehm. Die einzelnen Checkpoints sind im Großen und Ganzen fair verteilt. Die Waffenliste reicht von vielen verschiedenen Pistolen und Gewehren über ein schweres Maschinengewehr und Schrotflinten bis hin zu Granat- bzw. Raketenwerfer. Scharfschützengewehre sind besonders gefährlich und werden meist durch rote Lasermarkierungen gekennzeichnet, bleibt Nathan zu lang im Ziel des Lasers, wird der Bildschirm grau und unsere Spielperson segnet das Zeitliche. Anhand der Bildschirmfarbe ist so jederzeit zu erkennen wie es um uns steht.
Wie eingangs erwähnt, könnte womöglich lediglich ein Nachfolger mit komplett neu entwickelter Grafikengine, den aktuellen Teil noch schlagen.
Was aber nicht heißen soll, dass Uncharted 3 aktuell hässlich aussieht, ganz im Gegenteil. Es ist verblüffend wie Naughty Dog es schafft aus den begrenzten Ressourcen der Playstation 3 noch so viel herauszuholen. Wasser wie Feuer wirken verblüffend echt, Sand hat man außer in der Realität noch in keinem Spiel so körnig erleben können, Texturen werden knackscharf dargestellt, die Spielwelt besteht aus unzählig vielen Details und die einzelnen Charaktere sind durch aufwändiges Motion-Capturing nicht nur sehr gut animiert, sowie synchronisiert, sondern sehen auch äußerst realistisch und authentisch aus.
Achievements und Schätze
Neben eindrucksvollen Landschaftkulissen und detailgetreuen Schauplätzen, lohnt sich die Erkundung der Umgebung für Schatzsucher doppelt, überall in der Spielwelt sind kleine Schätze versteckt. Für eine bestimmte Anzahl an Reliquien gibt es zudem Achievements zu erreichen. Für eine bestimmte Menge an Abschüssen mit einer Waffe oder zum Beispiel mehrere Knock-Outs im Nahkampf gibt es ebenfalls Achievements zu erreichen. Die Spieldauer liegt dabei im Schnitt auf dem Schwierigkeitsgrad Mittel bei ca. acht bis zehn Stunden.
Multiplayer/Koop
Update folgt in Kürze
Fazit:
Mehr geht nicht! Entwickler Naughty Dog setzt auf Adrenalin geladene Aktionsequenzen, schwindelerregende Kletterpassagen, knifflige Rätsel und schafft es einen wahren Hollywood-Blockbuster zu inszenieren. Wunderschöne und liebevoll gestaltete Level mit einer großen Detailfülle zu erwecken die Spielwelt zum Leben. Sympathische humorvolle Charaktere, die uns den Großteil des Spiels begleiten und uns schnell ans Herz wachsen, lassen ein realistisches Spielgefühl aufkommen. Wer schon gerne mit Lara Streifzüge durch antike Tempelruinen, Grabkammern und Urwälder unternommen hat oder gerne auf den Dächern verschiedener arabischer Städte herumgeturnt ist und zudem die beiden Vorgänger schon klasse fand, der kann hier nicht falsch machen und wird mit Uncharted 3 seine helle Freude haben. Für alle anderen gilt dasselbe.