3 Tage Regenwetter
| Heavy Rain |
|---|
| Der Origami-Killer |
| Stimmungsvolle Soundkulisse |
| Fürs Auge |
| Steuern muss gelernt sein |
| Move On |
| Fazit |
Was ist der Unterschied zwischen einem Film und einem Spiel?
Ein Spiel ist im Gegensatz zu einem Film interaktiv, lässt eigene Entscheidungen mit einfließen, man identifiziert sich mit den einzelnen Charakteren, die man spielt, fiebert mit und hat im besten Falle das Ende durch eigene Entscheidungen maßgeblich mitbestimmt und verändert. Die möglichen Konsequenzen, die durch die persönliche Spielweise aufgetreten sind müssen vom Spieler getragen werden. Ein Film setzt ebenso auf Emotionen, Gefühle und möglichst authentische Hauptdarsteller, allerdings besitzt dieses Medium den Makel, dass es die Handlung vorgibt und diese nicht veränderbar ist. Man kann Überraschungen erleben, Wendungen in der Geschichte, sich in die Akteure hineinversetzen und mit ihnen fiebern. Doch jeder von uns sieht denselben Film, abgesehen von der Fantasie die er mit einbringt, ändert sich an der Story überhaupt nichts. Und genau dieses Verlangen versucht Heavy Rain zu erfüllen und tritt dabei in die großen Fußstapfen seines Vorgängers Fahrenheit. Ob es dem Entwickler Quantic Dream gelungen ist, werden wir während des Tests klären.
Der Origami-Killer
Die Geschichte von Heavy Rain dreht sich um einen mysteriösen Serienmörder, den Origami-Killer, Origami bezeichnet die Kunst des Papierfaltens. Bei jedem seiner bisherigen Opfer wurden bisher immer eine Origamifigur und eine Orchidee gefunden. Das Spiel benutzt neben stets düsteren und verregneten Schauplätzen verschiedene Protagonisten, dessen Handlungsstränge sich während des Spiels mehrfach kreuzen können. So steuern Sie neben einem verbittertem Vater und einer unter Schlafstörungen leidenden jungen Frau unter anderem einen jungen FBI-Agenten und einen Ex-Polizisten. Doch viel wichtiger und interessanter ist die Tatsache, dass jede Hauptperson in den einzelnen Kapiteln sterben kann und so im weiteren Spielverlauf nicht mehr zur Verfügung steht. So baut der Spieler schnell eine enge Beziehung zu den Personen auf und sieht unmittelbar die Konsequenzen seines Handelns. Das Konzept ist durchaus innovativ und lässt einen dermaßen mit fiebern, dass man sich mitunter dabei erwischt, wie man wie im Wahn auf die Tasten seines Kontrollers hämmert und wilde Verrenkungen ausführt, um nicht doch das virtuelle Leben seiner geliebten Spielfigur auszuhauchen.
Stimmungsvolle Soundkulisse
Die Musik tut ihr übriges und versetzt den Spieler in das düstere und betrübende Setting von Heavy Rain. Schon im Hauptmenü ertönt die sehr ergreifende und charismatische Titelmelodie, gepaart mit dem Rauschen des Regens, der eine zentrale Rolle in der Handlung spielt. Sollte man das Glück haben und zu einem HD- Fernseher noch eine passende Suroundanlage zu besitzen, steht dem Spielvergnügen nichts mehr im Wege. Der Soundtrack des Spiels wurde eigens von einem kompletten Orchester aufgenommen und passt hervorragend zu den einzelnen Szenen, jeder Hauptcharakter besitzt sein eigenes Thema, zudem macht gerade die Musik einen Großteil der Atmosphäre im Spiel aus. Auch die Synchronsprecher machen ihre Arbeit ordentlich und verleihen den Protagonisten eine markante Stimme mit viel Gefühl. Doch auch hier gilt wer des Englischen einigermaßen mächtig ist, sollte Heavy Rain auf dieser Sprache spielen. Zudem verleihen die originalen Synchronsprecher den Charakteren neben ihrem Aussehen auch die Bewegungen. Gerade dadurch wirken Mimiken, Gesten, Bewegungen und Animationen durch aufwändiges Motion-Capturing schon beinahe erschreckend echt.
Fürs Auge
Die Grafik sieht zum Teil einfach fantastisch aus, gerade das Leitelement des Spiels, das Wasser, ob in Form von Regen, Pfützen oder kleinen Tropfen auf der Haut, niemals zuvor haben wir es, außer vielleicht in Bioshock, so echt wirkend erleben können. Eine weitere Stärke der Grafikengine ist ohne Zweifel die Darstellung von Personen. Gesichter wirken lebensecht und zeigen Trauer, Schmerz oder Freude mit einer beeindruckenden Qualität. Allerdings wirken viele Texturen einfach unscharf und matschig. Finger und Harre bilden für moderne Grafikengines noch immer eine große Herausforderung dar und passen sonst nur sehr schwer in das sonst so gute Gesamtbild.
Steuern muss gelernt sein
Die Steuerung, als eigentlich wichtigstes Element von Heavy Rain, stellte allerdings oft das größte Problem für uns dar. Unsere Hauptperson bewegt sich zunächst, als wir den linken Stick bewegen überhaupt nicht vorwärts. Erst durch eine kurze Einblendung im Spiel wird uns mitgeteilt R2 gedrückt zu halten um uns fortzubewegen. Mit dem linken Stick steuern wir dann die Bewegung. Diese Konfiguration ist kompliziert und in Kombination mit den oft schlechten Kamerawinkeln macht sie die Bewegung gerade in engen Räumen zum Glückspiel. Da man sich aber durch das Spielprinzip nicht allzu oft bewegen muss, bzw. bestimmte Bewegungsabläufe wie durch ein Fenster zu klettern oder Türen zu öffnen, oft per Tastenkombination ausgelöst werden, fällt dies nicht so stark ins Gewicht. Dafür wird der rechte Stick in Verbindung zu den anderen Tasten benutzt. Der Schwierigkeitsgrad erhöht dabei die Reaktionszeit, die man zur Verfügung hat um die jeweilige Taste zu drücken und wie viele weitere Tasten aufeinander folgen. Des Öfteren müssen mehrere Knöpfe gedrückt und gehalten werden, was mitunter recht schwierig werden kann und sogar Veteranen am Controller auf den höheren Schwierigkeitsstufen zum Schwitzen bringen kann.
Move On
Für Besitzer der Move-Edition und dem benötigten Zubehör gibt es eine gute und erfrischende Alternative seine Hauptperson auf Verbrecherjagd zu schicken. Das Move-Zubehör besteht dabei aus einer Kamera, welche vor oder auf den Bildschirm gestellt wird und zwei Move-Controllern. Mit einem lässt sich die Person steuern, mit dem zweiten werden die kurz aufpoppenden Tasten oder Bewegungsrichtungen bedient. So wird das gesamte Spiel intensiver und lässt sich deutlich bequemer und komfortabler steuern. Wer also Spaß an Bewegung beim Spielen hat, ein großes Wohnzimmer besitzt oder von dem Spielprinzip der Wii begeistert ist, sollte hier zuschlagen. Die Starter-Edition besteht aus der Kamera und einem Controller und liegt bei ca. 60 Euro.
Die Gesamtspielzeit liegt, auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad, im Durchschnitt bei etwa acht Stunden, kann aber je nach Spielweise und Anzahl der noch lebenden Charaktere stark variieren. Sie sollten also Acht geben und ihr virtuelles Leben nicht allzu schnell aushauchen. Neben der Move-Edition, die bei Amazon aktuell ca. 33 Euro kostet gibt es noch eine normale Edition, die bei 69 Euro liegt. Der einzige Unterschied der beiden Editionen liegt darin, dass bei der normalen zusätzlich ein ca. 1GB große Patch geladen werden muss um auch die Move-Unterstützung nutzen zu können. Wir raten deshalb zu der deutlich günstigeren Move-Edition.
Bei der Move-Edition können Zusatzinhalte freigeschaltet werden, wie zum Beispiel das Making-Of oder interessante Konzeptzeichnungen. Zudem gibt es Hintergrundbilder und den gesamten Soundtrack, der die Atmosphäre des gesamten Spiel klasse wiedergibt und noch einmal vergangene Szenen in Erinnerung ruft.
Fazit:
Heavy Rain richtet sich klar an eine erwachsene Zielgruppe. Dabei kann der Gewaltgrad allerdings in weiten Teilen vom Spieler mitbestimmt werden. Möchten wir den Verdächtigen erschießen oder ihm nur Angst machen? Wie schon eingangs erwähnt, ist dies ihre Entscheidung, mit der sie im weiteren Spielverlauf leben müssen. Wenn Sie die Tatsache, dass Heavy Rain eher ein interaktiver Film mit beschränkter Steuerung ist und dafür großen Wert auf ein intensives Spielgefühl legt, akzeptieren können, sollten Sie zugreifen, wenn möglich aber zu der deutlich günstigeren Move- Edition. Ob das zusätzliche Move-Paket ebenfalls eine sinnvolle Investition ist, muss dagegen jeder für sich alleine entscheiden.
Letzte Änderung am Samstag, 04 Februar 2012 18:32